God eftermiddag:-)
Gestern ging das Programm im Folkets Hus schon 13:00 mit Erika Stucky (einer Sängerin) los. War ganz interessant, was sie alles mit ihrer Stimme anstellen konnte, noch interessanter war allerdings der Tubist, der sie begleitete und auch ein Solo präsentiert hat. Irgendwie hat er gleichzeitig in die Tuba gesungen und gespielt und währenddessen noch irgendwelche Rhythmen auf das Metall geklopft. Danach dann großes Aufsehen um ein Chorprogramm mit ein paar Streichern neben den obligatorischen Bläsern - das war nicht so der Reißer. Ein paar nette Sachen waren dabei, aber der Großteil war langweilig.

Ich hab dann meine Amis im Hotel abgeholt, in die "Künstlerloge" gebracht (dieses ganze Bachstage-Vokabular klingt auch immer toller als es in Wirklichkeit ist) und beim Soundcheck zugehört; später mal auf die beiden Saxofone aufgepasst, mich mit um die Essens-Bestellung gekümmert...naja, mein Zuständigkeitsbereich als Volontär;-) Vorm Konzert hab ich mich sehr nett mit dem Gitarristen unterhalten. Studiengebühren in den USA, Schweden und Deutschland, die Gesundheitssysteme... und er war sogar interessiert daran, was ein Biochemiker so treibt. Wenige Minuten vor dem Auftritt fragt mich der Drummer, wann sie eigentlich spielen. Um sieben. Wie lange ist das noch? Noch 7 Minuten. Aha. Und ganz ähnlich war es auch, kurz bevor sie auf die Bühne sind: Was spielen wir jetzt eigentlich zuerst?
Hm, ich hab die ja gestern schon für die Probe gelobt, aber beim eigentlichen Auftritt hab ich dann gemerkt, dass es da wirklich nur um die Abläufe ging. Grade bei ihren Soli haben sie gestern Abend richtig losgelegt und es kam auch super an. Ich hatte die äußerst wichtige Aufgabe, am Ende Blumen zu übereichen - die erste Chance hab ich gleich mal verpeilt, weil ich nicht wusste, ob das nun wirklich das letzte Stück war. Aber zum Glück haben sie noch eine Zugabe gegeben, sodass ich danach gleich auf die Bühne hechten konnte;-)
Jep, wir haben noch zusammen gegessen, wobei ich dann zu hören bekam, was alles schief gegangen war - so viele "Sorrys", eigentlich hat sicher jeder bei jedem entschuldigt. Dazu das Jazz-Fachvokabular und heftige Diskussionen, wer an
der Stelle hätte spielen müssen, Drummer-Geklopfe auf dem Tisch und angesungene Melodien. Der Drummer muss eine Weile lang mal gar keine Ahnung gehabt haben, wo die anderen waren. Ja, das war der Anfang der Tour - heute spielen sie in Coesfeld. Muss ich mich schämen, wenn ich diese deutsche Stadt nicht kenne...? Ich bin dann aufgebrochen, um noch ein bisschen was anderes zu hören. Nicht aber, ohne vorher nochmal die Abholzeit am Hotel bekannt zu geben und an die Zeitumstellung zu erinnern. Die waren auch alle ganz lieb, haben sich nochmal bei mir bedankt und ich mich bei ihnen. War schon cool mit den Leuten, am Anfang noch so unnahbare Künstler, aber innerhalb der kurzen Zeit habe ich doch ein persönliches Bild von jedem bekommen und wir konnten uns ganz normal miteinander unterhalten.
Ich hab mir noch eine Kontrabassistin und eine Pianistin angehört, die mir eindeutig zu modern waren. Die hat z.B. mit ihrem Bogen im f-Loch rumgestochert, um irgendwelche Geräusche zu erzeugen. Besser war das Christian Scott Quintett, der Abschluss in der großen Konzerthalle. Ein sehr guter Trompeter. Danach war ich aber echt kaputt und - Freude über Freude - bin mal wieder im regnerisch-stürmischen Wetter nach Hause geradelt.
Ich hab noch ein paar Fotos und ein Trompeter-Video zum bestehenden Album hinzugefügt.
Heute Abend findet noch ein abschließendes Pizza-Essen der Volontäre statt und auch danach spielen noch 2 Bands. Mal sehen, ob man das anhören kann...