Dienstag, 31. März 2009

Projektarbeit

Nun weiß ich, wie genau mein Thema heißt: "Protein oligomerisation induced by oleic acid". Der Ausgangsgedanke kommt von HAMLET (human α-lactalbumin made lethal for tumour cells) - das ist ein Komplex, der sich aus eben dem Protein α-Lactalbumin und aus Ölsäure bildet. Beides sind wichtige Bestandteile der Muttermilch und vermutlich kann sich der Komplex natürlicherwise im sauren Milieu des Magens bilden. Es wurde herausgefunden, dass der Komplex Tumorzellen spezifisch töten kann (evtl. ein Schutzmechanismus gegen frühkindliche Krebserkrankungen). Die Arbeitsgruppe, in der ich nun gerade bin, hat gezeigt, dass die Komplexbildung auch mit einem anderen Protein funktioniert (equine lysozyme). Das wiederum ist ein Modellprotein für die Amyloidforschung (--> Alzheimer, Parkinson...) liegt je nach Bedingungen mal mehr, mal weniger gefaltet vor usw...
Meine Aufgabe ist es nun herauszufinden, ob sich diese Komplexe auch mit verschiedenen anderen Proteinen bilden können. Ist eigentlich ein sehr interessanter thematischer Hintergrund, allerdings wird´s dann ein bisschen langweilig, wenn ich jeden Tag Säulenchromatografie machen muss (im Labor kann man die Komplexe nur von der vorher mit Ölsäure beschichteten Säule gewinnen). Gestern hab ich nur gelesen, aber heute bin ich auch schon ein bisschen tätig geworden...Puffer ansetzen und so ein Kram...

Sonntag, 29. März 2009

Kreatives Schreiben

Wird Zeit, dass ich mal wieder auf den aktuellen Stand der Dinge zurückkomme. Also ich hatte keine Ferien...aber von Anfang an stand in unserem Stundenplan, dass wir eine knappe Woche Zeit haben würden, um das Protokoll über den praktischen Teil des Tumorbiologie-Kurses zu schreiben. Dementsprechend bald hatte ich auch beschlossen, dieses Protokoll einfach vorher zu schreiben und in den Urlaub zu fahren, was genau die richtige Entscheidung war.
Mit meiner schwedischen Laborpartnerin läuft es nun auch nicht so perfekt - es ist eine ganz liebe, aber sie ist unheimlich faul. Ich hatte schon ziemlich viel geschrieben, bevor ich weggefahren bin, aber leider hat sie nicht viel mehr dazu geschrieben. Und meine Stichpunkte einfach ignoriert. Und die Bilder gelöscht, sodass ich wieder von vorne anfangen konnte...hach. Noch dazu kommt, dass dieses Protokoll die Krönung der Sinnlosigkeit ist. Unser Thema lautete "Ist Gen X ein Onkogen?" und der experimentelle Aufwand hat sich stark in Grenzen gehalten. Wir wissen nicht, wie Gen X in Wirklichkeit heißt und wir wissen auch nicht, wie die eine Zelllinie heißt, die wir das verwendet haben. Aber wir sollen einen "Scientific Article" im Stil von Cancer Cell darüber schreiben. Was wir/ich da verfasst habe(n), hat dem entsprechenden Verantwortlichen auch nicht gefallen - es wäre nicht genau der Stil des Journals (ein Kästchen mit der Überschrift "Significance" hat gefehlt), die Einleitung ist zu simpel (wenn ich nicht weiß, was ich da untersucht habe...), wir sollen unsere eigenen Fehler nicht so herausheben und lieber dieses eine Bild da weglassen sowie unverfängliche Erklärungen verwenden. Und wenn wir nicht wissen, was Gen X ist und warum es wichtig sein sollte, müssen wir uns einfach was ausdenken. Okay...hier lernt man also wissenschaftliches Arbeiten...aber meinetwegen, jetzt steht das in meinem Artikel:
The evaluation of a big breast cancer study suggest
ed that gene x, a gene with yet unknown function, might be oncogenic. In comparative DNA array studies its expression levels have been found to be continuously upregulated in breast cancer patients (Mister X et al., 2009). In this project our aim was to investigate if gene x is an oncogene.
Studiere ich hier kreatives Schreiben oder was? Ich glaube, in der Evaluierung des Kurses werde ich auch nochmal gaaanz kreativ.

Morgen fängt mein letzter Kurs an...ich werde eine Projektarbeit (also ein Praktikum) in der Abteilung für Medizinische Biochemie und Biophysik machen. Über die genaue Formulierung des Themas bin ich mir nicht sicher, aber das werde ich morgen herausfinden. Wenigstens muss ich dort keine Gruppenarbeit machen und bin für meinen eigenen Kram verantwortlich. Gut.

kleiner Spaziergang gestern

Lisa ist am Freitag zurück nach Deutschland gefahren. Das ist nicht gut. Ich weiß gar nicht, mit wem ich jetzt Fika machen soll.
Nochwas: Unterdessen sind ja die beiden Hürden Frühlingsanfang und Zeitumstellung überwunden - momentan lebe ich in lichtechnisch vollkommen normalen Verhältnissen, aber es geht in großen Schritten vorwärts! Das scheint den Frühling allerdings nicht zu interessieren, denn hier hat es heute den ganzen Tag geschneit - dabei hat man letzte Woche schon zum ersten Mal wieder den Asphalt gesehen! Leider ist auch ein Temperaturanstieg ist nicht absehbar.

Freitag, 27. März 2009

Tallinn

Weiter geht´s: mit dem Bus sind wir also in Estland angekommen. Die ländliche Umgeung zeigt sich nicht besonders spannend - Wald, Wald, Wald, aber kaum Seen. Für Tallinn hatte ich eine Couchsurfing-Gelegenheit ausfindig gemacht. Wir mussten uns also erstmal um Bargeld kümmern, damit wir den Bus nehmen konnten. Leider sind wir an einen sehr unfreundlichen alten Busfahrer geraten, dem es schonmal nicht zu gefallen schien, dass wir direkt bei ihm bezahlen wollten. Als wir ihm dann den großen Schein reichten, hat er uns nur noch auf Estnisch beschimpft und wieder aus dem Bus vertrieben. Hm, vllt hätten wir uns gleich mal informieren sollen, dass man die Tickets üblicherwise vorher kauft. Die Busfahrt war dann auch interessant, weil uns gegen Ende ein anderer Este darauf aufmerksam machen wollte, dass wir in die falsche Richtung fahren (denken wir zumindest), nämlich aus dem Zentrum heraus. Naja, wir sind an der richtigen Haltestelle ausgestiegen und letztendlich bei Egle angekommen. Bei ihr war es total schön, eine sehr ordentliche kleine Wohnung mit einer Couch für uns. Wir haben uns gut verstanden und am nächsten Tag hat sie uns gleich im Auto mitgenommen, um uns bei wunderschönem Wetter ein paar Plätze in Tallinn zu zeigen. Das Meer, das Sommerschlösschen Kadriorg, ein Museum...und dann haben wir zu Fuß die Altstadt erkundet, wo sie uns auch super herumgeführt hat und uns zu den besten Aussichtspunkten gebracht hat. Tallinn ist ganz anders als Riga. Der Stadtkern ist sehr gut erhalten und sehr schön renoviert und nahezu komplett von einer Stadtmauer mit Verteidigungstürmen umgeben. Sehr schön, aber hier zieht es auch weitaus mehr Touristen hin. Deshalb weiß ich auch nicht so genau, ob die Letten wirklich unfreundlicher sind oder ob es nur so scheint, weil in Tallinn die wahre Mentalität vllt durch den Tourismus übertünscht werden kann? Unsere Gastgeberin war jedenfalls der lebende Beweis gegen die estnische Unfreundlichkeits-Theorie. Das Mittagessen an diesem Tag war auch einmalig - in einem Lokal namens "Kompressor" gab es alle möglichen Eierkuchen, schon einer so groß und gut gefüllt, dass es als Mittagessen vollkommen ausreichend war...mhm.
Album: Tallinn
Lisa und ich haben uns dann auch noch ein paar Stunden lang alleine umgeschaut...d.h. zuerst saßen wir mit Decken draußen in einem Café auf dem Marktplatz und haben heiße Schokolade getrunken, aber dann haben wir uns auch noch für ein Stündchen im Stadtmuseum gebildet. Als wir uns wieder mit Egle getroffen hatten, hat sie uns noch in ein besonders tolles Café geführt. Dort gab es alles, was mit Schokolade zu tun hatte und die ganze Atmosphäre war einmalig. Jeder Tisch und jeder Stuhl anders, Kerzen, roter Samt, schöner Tischschmuck, ein Regenschirm mitten in einem Blumenarrangement und ein dicker Schweinehund, der anscheinend zum Haus gehörte...wir hatten viel Spaß.
Am Sonntag waren wir im Kunstmuseum, was sehr weitläufig ist. Es war ganz interessant, aber gegen Ende gingen wir auch immer schneller an den vielen Bildern vorbei. Wieder haben wir uns mit Egle in der Stadt getroffen, noch etwas zu Mittag gegessen und eingekauft und dann ging es mit dem Bus schon wieder zurück nach Riga. Leider saßen in der Reihe vor uns ein paar mitteilungsbedürftige Spanier, sodass die Fahrt etwas anstrengend war.
Wir haben noch eine Nacht in unserem 6€-Hostel verbracht. Als in der Küche ein paar Deutsche auftauchten, sind wir spontan ins Schwedische umgeschwenkt und die rätseln wahrscheinlich heute noch darüber, welcher Nationalität wir waren;-)
Mit dem Flieger ging es zurück nach Skavsta, wir haben uns Nyköping angeschaut, waren Einkaufen in Stockholm und sind schließlich im Liegewagen zurück nach Umeå gefahren. Das ist ja so viel bequemer als in diesen Sitzwagen, selbst wenn man wie ich im "3. Stock" schläft!

Dienstag, 24. März 2009

Riga

So, ich bin wieder zurück von meiner kleinen Reise nach Osteuropa. Lisa und ich sind also letzte Woche mitten in der Nacht mit mehrmals Umsteigen und Aufenthalt nach Skavsta gereist, von wo aus unser nur zu einem Fünftel besetzter Flug nach Lettland ging. Jaja, Ryanair...
Im Bus bezahlt man nicht beim Fahrer, sondern wird von einer Frau abkassiert, die auf so einem extra Stuhl rumsitzt und aufpasst, dass ihr niemand durch die Lappen geht. Sie war aber so freundlich uns zu sagen, wo wir möglichst zentrumsnah aussteigen können und nach leichten Sprach-und Orientierungsschwierigkeiten hatten wir unser Hostel gefunden. 12-Betten-Schlafsaal, 6€ pro Nacht...das sind jedenfalls keine schwedischen Preise mehr. Die Stadt ist sehr interessant und hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Allein die Altstadt ist schon super - viele Kirchen, ein Schloss, Gildenhäuser, überhaupt sehr schön renovierte Bauwerke. Wir waren auch im Okkupationsmuseum, wo dann allerdings die Müdigkeit durchkam (das Museum ist eigentlich sehr interessant, aber man bräuchte wahrscheinlich mehrere Tage, um die Inhalte irgendwie dauerhaft aufzunehmen). Abends haben wir uns ein Konzert angehört, was in der Musikakademie stattfand, wahrscheinlich so etwas wie ein Klassenvorspiel von Musikstudenten. Da wir des Lettischen nicht so mächtig sind, haben wir erst beim Auftritt bemerkt, dass es sich um ein Blasorchester handelte; aber da diese Leute das wirklich konnten, hatten sich unsere Zweifel bald gelegt.
Von den Betreibern des Hostels wurde auch eine alternative Stadtführung angeboten, sozusagen Anti-Altstadt. Und die war richtig gut. Zusammen waren wir in der Markthalle, wo wir landestypischen Käse gekostet haben - die Halle ist übrigens der Wahnsinn und das Interessanteste an der ganzen Stadt. Sie besteht aus 5 Unterhallen geteilt nach Fleisch, Fisch, Molkereiprodukten, Obst & Gemüse und Backwaren und es macht den Eindruck, als könnte man dort alles kaufen. Sehr interessant auch die Menschen, die man dort trifft...leider war das Fotografieren verboten. U.a. wurden wir auf der Stadttour noch in ein besonders gutes Café mit echter heißer Schokolade und riesiger Trüffelpralinen-Auswahl, zu einem alten Kino und in interessante Galerien geführt. Die Leute haben das wirklich sehr gut gemacht und es hat sich total gelohnt, um ein vollständigeres Bild von Riga zu bekommen.
Album: Riga

Hm, was noch? Lettland ist eindeutig billiger als Schweden, was uns besonders in der Backwarenabteilung des Supermarktes zum Verhängnis wurde. Noch dazu gibt es dort so leckere Blätterteigdinger, die ich schon ewig nicht mehr gegessen hatte. Aber ich sollte auch erwähnen, dass die Letten ein eher unsympathisches Völkchen sind. Mit verbissenen Gesichern, den Blick nach unten gerichtet, laufen sie in ihren hässlichen Pelzmänteln durch die Straßen und wenn man im Weg steht, wird eben gedrängelt. Und falls man Ausküfte bekommt, sind diese generell kurz und unfreundlich. Noch dazu scheint das ganze Stadtzentrum kameraüberwacht zu sein - besonders nett, wenn man dann auch noch sieht, wie diese sich bewegen...

Aber als Touri lässt es sich trotzdem gut aushalten, v.a. in den zahlreichen Cafés;-) Am Freitag haben wir noch ewas mehr von dem Museum angeschaut, ein Blick vom Kirchturm war auch noch drin und zu Mittag gab es sehr leckere Pelmeni (sowas wie Tortellini) in einem Selbstbedienungsladen, den wir eigentlich viel zu spät gefunden haben (wär auch perfekt für die ersten beiden Tage gewesen). Danach ging es mit dem Bus nach Tallinn.

Dienstag, 17. März 2009

Baltikum


Bei 20°C in der Sonne (3°C im Schatten) haben wir uns heute unser erstes Eis gegönnt.

Heute noch geht es mit Bus & Zug wieder runter nach Stockholm, von wo aus wir morgen früh nach Riga fliegen. Auch Tallinn werden wir uns am Wochenende anschauen. Am Montag geht es dann wieder zurück. Ich freu mich schon!

Montag, 16. März 2009

Uppsala und Stockholm

Freitagabend haben wir uns in den Nachtzug gesetzt, um 9 Stunden später in Uppsala anzukommen. Da man dort früh um 6 noch nicht ausgesprochen viel unternehmen kann, haben wir beschlossen, nach "Gamla Uppsala" zu laufen. Es gibt da so einen winzigen Pilgerweg, der vom Dom im Stadtzentrum ca. 4 km stadtauswärts führt, wo man dann 3 große Grabhügel und ein kleines Kirchlein bestaunen kann. Leider haben wir den Anfang des Weges im Schilderwald auch beim dritten Versuch nicht gefunden und mussten uns so zunächst mit einem weniger malerischen Fußweg direkt neben der Straße begnügen. Noch dazu war das Wetter reichlich schlecht, sodass wir sehr durchweicht und durchfroren waren, als wir wieder ins Zentrum kamen (rückzu dann auf dem geplanten Weg - jemand hatte doch tatsächlich ein entscheidendes Schild im Stadtzentrum umgedreht). Wir haben uns den Dom angeschaut, der sehr beeindruckend ist. Dann konnten wir uns aber nur noch in eines der Restaurants schleppen; in der Hoffnung, dass wir wieder etwas auftauen. So ein Thai-Buffett kann ich auf jeden Fall empfehlen...
Weiter ging es ins "Upplands Museum", wo Geschichte und Lebensweisen der Region sowie Stadtentwicklung sehr anschaulich dargestellt sind.
Mit dem Zug ging es dann Richtung Stockholm und nach Beziehen des Hostelzimmers haben wir noch ein kleiner Abendspaziergang nach Södermalm unternommen.

Am Sonntag waren wir zum Gottesdienst in der Schlosskirche, aber der König war leider nicht da. Das Wetter war nicht mehr ganz so übel wie am Tag zuvor und man konnte manchmal sogar winzige Flecken blauen Himmels erahnen. So haben wir uns auf den Weg nach Junibacken gemacht, wo die Geschichtenwelt Astrid Lindgrens sehr schön nachgebildet ist. Mit einer Kreuzung zwischen Zug und Seilbahn fährt man durch eine Modelllandschaft und kann die detailgetreuen Darstellungen bestaunen, die noch dazu sehr nett kommentiert werden: "Hallo liebe Kinder! Heute machen wir uns auf den Weg, um ein paar andere Kinder zu treffen, die ihr sicher schon kennt..."
Danach waren wir noch im Nobel-Museum, was auch sehr schön war. Noch eine heiße Schokolade in einem der gemütlichen Altstadt-Cafés und schon ging´s zurück zum Bahnhof, wo ich wieder in den Nachtzug nach Umeå gestiegen bin und Luzi den Bus nach Berlin genommen hat. Viel Schlaf hab ich nicht abbekommen, aber was tut man nicht alles...
Uppsala und Stockholm (Album)

Freitag, 13. März 2009

Ich in Schweden

Nun habe ich, Luzia, auch die Ehre einen Gastbeitrag in Judiths Blog zu schreiben und meine Erlebnisse in schwedischen Wohnheimen und auf weiter schwedischer beschneiter Flur zu schildern. Zum Glück ist auch wirklich noch viel Schnee da, sodass sich meine Investition in eine Skihose sehr gelohnt hat. Nicht nur gegen die Kälte, sondern auch für Schneeengel und Rodeln auf Plastiktüten unverzichtbar. Beim Rodeln hatte Judith zunächst mehr den Trick raus, aber später bin ich am Skihang doch weiter gekommen als sie :-). Zum Schluss hatte ich Schnee hinten in der Hose und wir sind auf dem Rückweg noch in der Unibibo vorbei gegangen. Das ist ein wirklich sehr schöner, heller, weitläufiger, modernen Bau, in dem ich auch gerne meine Hausarbeiten schreiben würde… Im Keller, wo das Magazin aller (in Schweden veröffentlichten?) Bücher war, haben wir noch ein tolles Bilderbuch auf deutsch gefunden, „Gans, Tod und Tulpe“ hieß es.
Über das Essen hier in Schweden kann man sich streiten. Ich bin kein großer Liebhaber von schwedischen Würstchen und Ziegenbutter mit Vanille. Dagegen ist das Gebäck hier spitzenklasse! Zu meinem Geburtstag bekam ich von Judith sogar Frühstück ans Bett in Form von „Sieben Sorten Gebäck“ (fast alles selbst gebacken und alles sehr sehr lecker!). Nach der Geburtstagsfika am Nachmittag konnte ich wirklich kein einziges Stückchen Kuchen mehr essen. Da tat der Spaziergang in die Innenstadt wirklich gut. Da es ja alles hier sehr weitläufig ist, dauert das schon seine 35 Minuten. Dafür gab es dann Jazz-Musik von der Norrlands-Big Band. Da waren wirklich nur „Typen“ dabei, wirklich richtige Künstlertypen…
Heute konnte ich wieder mal länger schlafen als Judith, die ins Labor musste. Das hindert mich aber auch nicht daran noch gemeinsam einen Mittagsschlaf zu machen. So viel wie hier habe ich wirklich seit Jahren nicht gepennt. Aber ich habe mich auch schon einmal alleine auf die Socken gemacht um in das Freilicht-Museum „Gammlia“ zu marschieren. Da waren viele schneebedeckte Hütten, die alle genauso aussahen wie alle Häuser in Schweden: rot! Aber das Bildmuseum hatte eine interessante Ausstellung von einer Künstlerin, die Bilder mit Stoff, Nadel und Faden „gemalt“ hat. Da waren viele Rentiere zu sehen mit Schlitten voller Sami (?), jedenfalls hatten fast alle so rote Käppchen auf. Mein anschließender Besuch in der Shoppingmall von Umea hat außer einem BigMac bei Mc Donalds nicht viel eingebracht – wieder Geld gespart. Schöne Postkarten gab es nicht, dafür habe ich die Vorliebe der Schweden für bunte Muster an Tapeten, Büchern und Klamotten bestätigt gefunden.
Ansonsten konnte ich Zeuge werden für die aufgeräumte und saubere Küche von Judiths Korridor im Gegensatz zur etwas unaufgeräumten von Lisas. Die schwedische Energieverschwendung in Form von Lichtdauerbrennen und Abwaschen bei laufendem Wasser ließ sich auch gut beobachten und selbst anwenden :-). Von meinem einem Semester Schwedisch, was ich vor eineinhalb Jahren mal in Jena besucht hatte, ist leider nicht viel übrig geblieben und so habe ich noch nicht mal bemerkt, dass ich beim Mittwochabendgottesdienst ein finnisches Gesangbuch in den Händen hielt (von außen sah das genau gleich aus, aber der unterschiedliche Text hat mich schon verwirrt). Allerdings habe ich beim Film „Amelie“ in Originalsprache mit schwedischen Untertiteln auch nicht mehr verstanden, obwohl ich sieben Jahre lang Französisch in der Schule hatte.
Heute geht es mit dem Nachtzug nach Uppsala, morgen nach Stockholm und übermorgen wieder heim mit dem Bus.

Dienstag, 10. März 2009

Rodeln

Da ich zurzeit kaum mal länger als eine Stunde pro Tag im Labor bin, habe ich sogar richtig Zeit für meinen Besuch. Die Uni ist zurzeit wirklich wahnsinnig uneffizient und der Lerneffekt hält sich sehr stark in Grenzen. Hier sollte ich einfügen, dass ich auf meine "äußerst intensiv" vorbereitete Klausur mit 31,25 von 36 Punkten mal wieder ein nettes "VG" bekommen habe. Das lasse ich mir gefallen. Aber nur um ein Beispiel zu nennen: unsere heutige Aufgabe bestand darin, Zellen zu zählen und diese auf eine bestimmte Konzentration zu verdünnen. Dann sind wir wieder heimgegangen.
Naja, ist ja in dem Fall nicht so schlecht. Wir fangen auch erst am späten Vormittag an, sodass wir richtig ausschlafen und dann ausführlich brunchen können.
Gestern sind wir dann noch - bei eher trübem Wetter - eine Runde um den See gegangen und haben uns abends zur ersten Orchesterprobe fürs neue Programm begeben. Da unsere Oboisten immer erst kurz vor dem Konzert kommen, durfte Luzi auch mitspielen:-) Das neue Programm ist auch sehr schön, die Hauptwerke sind Schumanns 4. Sinfonie und Paganinis Violinkonzert.
Heute ging es dann wieder mal zum lokalen Skihügel, wo wir beim Plastiktüten-Rodeln sehr viel Spaß hatten. Außerdem haben wir dort noch so einen Arschrutscher gefunden, mit dem das auch ganz einwandfrei ging.

Sonntag, 8. März 2009

Ausflug nach Vindeln

Gestern ist die Luzi angekommen - auf ihrerReise hatte alles wunderbar geklappt und wir haben sie dann gleich mit unserem Leihwagen vom Bus abgeholt. Mit eben diesem haben wir heute einen Ausflug nach Vindeln gemacht. Dort gibt es eine wunderschöne Kirche, die wir schon lezztes Mal beim Durchfahren des Ortes von der Straße aus gesehen hatten. Heute wollten wir uns die Kirche mal genauer anschauen und das zum Sonntag gleich mit einem Gottesdienstbesuch verknüpfen. Wir sind einmal drumherum gelaufen und auch das hat nichts daran geändert,dass die Kirche geschlossen war und der Gottesdienst im "Församlingsgård" stattfand. Da wir nicht wussten, wo dieser ist, hatten wir die Aktion schon fast aufgegeben - bis wir zufällig daran vorbeigefahren sind. Die Besucherzahlen waren mal wieder sehr repräsentativ fürs schwedische Inland und wir haben den Altersdurchschnitt ganz wesentlich gesenkt. Bei so einem Gottesdienst wird mir richtig bewusst, welches Glück ich mit der recht lebendigen und meist gut besuchten Gemeinde in Ålidhem habe... trotzdem war es interessant.
Die Pfarrerin meinte dann beim Verabschieden noch, dass Vindeln "die Perle Västerbottens" wäre. Naja, es ist ein ziemlich kleines Örtchen, aber es gibt hier einen Fluss mit Stromschnellen (einer der wenigen nicht begradigten,naturbelassenen Flüsse in Schweden). Die Kraft des Wassers ist wirklich beeindruckend und die Mischung aus dickem Eis und Wasser hat schon etwas ganz Besonderes. Nachdem wir eine wackelige Hängebrücke überquert hatten, haben wir ein Grillstelle aus dem Schnee ausgegraben und dank Papas toller Grillanzünder ein nettes Feuerchen zu Gange bekommen, in dem letztendlich auch das Holz brannte. Würstchen, Brot und aufgewärmte Pizza; zum Nachtisch Kuchen...so lässt es sich leben. Naja, bisschen kalt.
Zum Abschluss sind wir noch ans Meer gefahren und dort, wo wir waren, ist die Ostsee wirklich zugefroren. Wir sind drauf herumgelaufen und haben die seltsamen Eisformationen begutachtet, die gerade im Küstenbereich entstanden waren. Wenn ein See zufriert, ist das viel glatter. Die Eisfläche auf dem Meer war ganz unregelmäßig und es hatten sich richtige Eisberge aufgeschoben. Außerdem hat das Eis enen ganz schönen hellblauen Farbton.
Und jetzt sind wir müde von so einem langen Tag an der frischen Luft...
Vindeln (Album)

Samstag, 7. März 2009

Samiska Röster

= "Samische Stimmen". In Umeå war gerade die Sami-Woche, von der ich insgesamt nicht viel mitbekommen habe. Aber gestern war ich in einem Konzert, wo man die traditionelle Gesangsform des Joik erleben konnte. Zuerst wurde da so ein Mensch geehrt, der uns drei seiner Joik-Lieder nicht vorenthalten konnte. Begleitet hat er sich dabei auf so einem unmöglichen Kuhglocken-artigen Bimmelding (welches er sogar beim Reden nicht still halten konnte). Auch der Beginn des eigentlichen Programme war dann etwas fragwürdig, da er eher aus computergenerierten Geräuschen als aus Gesang bestand. Ich habe mich also schon vor mich hingewundert, ob ich die 150 SEK in en Sand gesetzt habe...aber zum Glück wurde die nächsten Titel besser und es war ein interessantes Konzert. Ein ganzer (traditionell gekleideter) Sami-Chor, eine sehr gute Joik-Solistin, ein Streichquartett, ein Saxofonist, ein Schlagzeuger und der Mensch an Keyboard/Computer/Mikro haben doch für sehr gute Unterhaltung gesorgt. Kleiner Abstrich: Joik ist oft sehr eintönig, wird in einer Art Dauerschleife gesungen und das kann sehr einschläfernd wirken, wenn man gerade mal keinen Mittagsschlaf gemacht hat;-)


Heute war dann ein wunderschöner Tag und ich konnte gar nicht anders, als herauszugehen und eine Runde um den See zu spazieren. Hier ein paar sonnenhungrige Schweden, die den ersten Frühlingstag willkommen heißen:



Und hier etwas, was man recht häufig sieht und was ich schon lange mal festhalten wollte:

Donnerstag, 5. März 2009

Tauwetter

Viel Neues gibt es nicht zu berichten. Heute hatten wir seit langem mal wieder etwas über 0°C und sofort wird es draußen matschig. Ich hätte ja nie erwartet, dass ich mir mal wünsche, der Schnee bleibe so lange wie möglich liegen - aber gerade eben ist es so: ich will nicht, dass es jetzt schon taut! Ich hab mich echt mit diesen winterlichen Verhältnissen hier angefreundet!
Unser Laborpart ist eine echte Lachnummer. Wer diese paar Wochen Praktikum macht, braucht keine Semesterferien; die sind da nämlich gleich inbegriffen. Ich fühle mich leicht...unterfordert. Es war schon fast die ganze Woche so und morgen bin ich auch wieder nur von 8-9 Uhr in der Uni.
Da bleibt natürlich viel Zeit für Fika hier und da, Kuchen backen, Film gucken, in die Stadt gehen und sportliche Betätigungen. Apropos - als ich mich heute auf den Weg gemacht habe, um meine kleine Runde zu rennen, musste ich erstmal einem Bagger ausweichen, der gerade bei uns im Viertel zur Erhöhung der Schneeberge beitrug. Dabei hat mich doch glatt so eine dumme Dachlawine erwischt und ich stand ziemlich bedröppelt da.
Ach, und ich bin jetzt auf Hörbücher umgestiegen. Ich war ganz überrascht, dass ich das Schwedisch so gut verstehe und dem Inhalt problemlos folgen kann. Die Internetseite der Stadtbibliothek ist super und man kann sich online Hörbücher ausleihen, die einem dann für 4 Wochen zur Verfügung gestellt werden. Ganz zu schweigen von der riesigen Musikbibliothek... Aber nachdem ich mir schon 2 kurze Krimis von Hennig Mankell angehört hatte, kam ich nicht umhin, mir endlich auch mal "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling anzuhören, was mit Lisa hatte zukommen lassen. Jaja, ein Jahr ist´s unterdessen her...und ich wage zu behaupten,dass wir da etwas härter im Nehmen waren.
Und jetzt freue ich mich schon auf Luzi, die mich ab Samstag für eine Woche besuchen kommt:-)