Wenn ich so darüber nachdenke, was ich nach dem knappen Jahr Schweden kann, nun…
- problemlos Schwedisch lesen, halbwegs Schwedisch verstehen & sprechen, einigermaßen auch Norwegisch und Dänisch lesen
- Feuer machen
- was zum Thema HAMLET, Anionenaustauschchromatographie, Tht-/Bis-ANS-/CD-Messungen erzählen
- Kanelbullar, Morrotskaka, Kladdkaka, Havreflarn, Lussekatter und andere Leckereien backen
- mich immer noch nicht mit der hoch gelobten Party- und Trinkkultur anfreunden
- so was Ähnliches wie wissenschaftliche Artikel in einem erträglichen Englisch verfassen
- das schwedische Vaterunser aufsagen
- Couchsurfen
- ein paar schwedische Volkstänze tanzen
- mich von kalten Temperaturen und meterweise Schnee nicht mehr beeindrucken lassen
- im Schnee Fahrrad fahren und seltsame Ausbeulungen an noch viel seltsameren Rennradreifen notdürftig reparieren
- die Künstlerbetreuung auf Festivals übernehmen
- routiniert in Nachtzügen schlafen
…
Die Uni hat mich ganz gut auf Trab gehalten, aber es war nicht total stressig und insgesamt ohne großen Aufwand erfolgreich zu bewältigen. Ich glaube, das deutsche System ist effizienter und das obwohl wir diese schönen langen Semesterferien haben, hihi. Und ich bin mir ganz sicher, dass das deutsche Diplom im Vergleich zum schwedischen Master richtig viel wert ist. Die Kurse sind allerdings sehr gut organisiert und die jeweiligen Leiter kümmern sich vorbildlich um ihre Studenten. Die Qualität der Vorlesungen ist wirklich hoch, aber ich hätte in solchen 10-Wochen-Block-Kursen noch mehr Tiefe erwartet.
Umeå…ist eine baulich eher hässliche Stadt, die man trotzdem unglaublich lieb gewinnt. Dieser Ort hat irgendetwas ganz Spezielles. Wie auch immer, ich könnte dort nicht auf Dauer leben, weil das kulturelle Angebot doch recht beschränkt ist. Es ist beachtlich, was so weit im Norden auf die Beine gestellt werden kann – ich denke v.a. an die Festivals – aber mir würde das nicht reichen. Und das Orchester ist leider auch eher eine vor sich hindümpelnde Zweckgemeinschaft. Es war schön, dass ich mitspielen konnte, aber es war überhaupt nicht vergleichbar mit der AOV in Jena. Umso toller war es, dass ich die Möglichkeit hatte, mit David in der Kirche zu spielen. So einen netten Haus- und Hofpianisten kann ich hier wahrscheinlich lange suchen...
Nicht zuletzt ist die lange Dunkelheit im Winter sehr belastend, während die hellen Nächte im Sommer zwar wunderbar sind (und mich als professionellen Mittagsschläfer nicht am Schlafen hindern), aber doch irgendwie unnötiger Schnickschnack.
Unglaublich, wie schnell dieses Jahr vergangen ist! An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an alle meine Leser, Kommentatoren und Besucher – ohne euch hätte das hier nicht so regelmäßig geklappt!
Da es der deutsche Staat in den letzten 10 Monaten sehr gut mit mir gemeint hat (oder ich viel zu sparsam gelebt habe), fliege ich nächsten Monat zusammen mit Birte für reichliche 4 Wochen nach China, wo wir mit dem Rucksack durch die Gegend reisen werden. Blogeinträge wird es von dort nicht geben, aber über Rundmails lässt sich reden. Wer diese bekommen will, sollte mir das möglichst bis Mitte Juli mitteilen! Und über den Unialltag (oder besser gesagt die hässlichen Diplomprüfungen), der mich ab September in Jena erwartet, denke ich momentan einfach noch nicht nach.
Es bleibt spannend :-)

