Es ist vorbei.
Letztenlich doch mit großem Koffer, großem Rucksack, kleinem Rucksack und Bratsche bepackt, habe ich am Donnerstagabend meinen Zimmerschlüssel beim Housing Office eingeworfen und mich zwischen den Regenschauern zum Bahnhof begeben. In der Nacht habe ich super geschlafen (draußen sah´s die ganze Zeit so trist aus, dass ich mich nicht durch Fotografieren ablenken lassen konnte) und mir ging´s prima, als ich 45 Minuten später als geplant in Stockholm ankam. Ähh...Signalfehler nördlich von Gävle oder sowas, ich hab ja geschlafen. Ich wurde auf den nächsten Zug umgebucht, der nicht nur bis Malmö, sondern gleich bis Kopenhagen fuhr. Also hab ich den Schaffner gefragt, ob ich die Teilstrecke bei ihm dazukaufen kann - theoretisch ja, für 330 SEK (etwa 30€ wo man sonst 10 bezahlt) - nein danke, dann doch nicht. Ein paar Stunden später kam er nochmal vorbei und meinte, dass ich gratis mitfahren kann. Warum auch immer, ich fand´s super:-)
In Kopenhagen hat´s geregnet wie verrückt und es war unmöglich, auch nur einen Fuß vor das Bahnhofsgebäude zu setzen. Ich hatte 5 Stunden Zeit und es war extrem langweilig, obwohl ich mich mal eine Weile mit einer Philippinerin unterhalten habe, die Regenwettermode der Dänen analysierte und ein gutes Buch dabei hatte.
Im nächsten Nachtzug habe ich mich sehr nett mit einem Nigerianer unterhalten, der seit 8 Jahren in Spanien lebt. Zwei flächendeckend Unterarm-tätowierte Dänen sind zugestiegen, haben nur Dänisch gesprochen und ihre Bierdosen ausgepackt. Der eine zog immer wieder die Nase hoch und hatte einen hässlichen Husten. In Flensburg kam ein Deutscher dazu, der sehr nett war, leider aber sein Englisch so offensichtlich überschätze, dass ich immer wieder ein bisschen schmunzeln musste. Die Dänen stiegen glücklicherweise in Rendsburg aus. Aber dann kamen die verhängnisvollen Mitpassagiere - eine dreiköpfige Invasion aus Osteuropa, vermutlich Russland. Der Nigerianer hat in einem anderen Sechserabteil seinen richtigen Platz gefunden und wollte unbedingt meine Handynummer haben (jetzt hat er die schwedische, hehe). Unter den Zugestiegenen hat die russische Matrone mit den Körpermaßen eines Würfels den Ton angegeben und dafür gesorgt, dass schnellstens die Nachtruhe einbrach. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon 2 meiner 5 Mitpassagiere für immer in den Bistrowagen verkrümelt. Also nur noch die 3 Russen und ich. Ein einziges Schnarchkonzert. Mitten in der Nacht wacht der Würfel auf und muss was essen - raschel, raschel, schmatz, schmatz, raschel, raschel und immer wieder Blicke auf "meinen" Fußablageplatz, der sich neben ihr befand. Ich war wach und hab das unauffällig beobachtet, wollte den zusätzlichen Platz um keinen Preis aufgeben. Bis es so unbequem wurde, dass ich den Vorsatz ganz vergaß. Keine Minute verging und meine besondere Freundin hatte sich über beide Plätze ausgebreitet. Uuiii, was für ein Anblick - bei jeder kleinen Unregelmäßigkeit schwabbelten die überschüssigen Pfunde nur so mit, ein einziger Wackelpudding! Also Augen zu. Als ich irgendwann tatsächlich mal schlief, riss sie den Vorhang auf, klopfte mir aufs Knie und meinte, wir wären in Nürnberg. Ich warf einen Blick auf die Uhr (es war 5:15) und antwortete verpeilt, dass das Fulda ist - Dann ist Nürnberg nicht mehr weit, nur noch 10 Minuten! - In Anbetracht der Tatsache, dass der Zug 6:45 in Nürnberg ankommen soll, ist es schon noch weit! Oh Mann, was für eine Nacht. Hat meine Toleranz gegenüber osteuropäischen Mitbürgern nicht gerade gefördert (die anderen beiden waren etwas unauffälliger, aber hatten auch ihre Macken).
Dann ging alles gut. Noch ein kleines Schläfchen im Franken-Sachsen-Express, ein schönes Wiedersehen mit meinen Eltern und wunderbare Erdbeertorte auf dem sonnigen Balkon. Schön ist es zu Hause, da gibt es nicht viel mehr zu schreiben!
Samstag, 13. Juni 2009
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